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Leseprobe aus:
Februarballade. Fritz Brügel, der Bürgerkrieg 1934
und die Bibliothek der Arbeiterkammer Wien
Madeleine Wolensky
S. 229 231:
Nach den Februarkämpfen ging Fritz Brügel in die "bittere Emigration, in die Tschechoslowakei. Dort veröffentlichte er 1935 im Prager sozialdemokratischen Exil-Verlag "Der Kampf die "Februarballade im Gedenken an die hingerichteten Widerstandskämpfer:
Das Standrecht schreit: Es ist Galgens Zeit
und das Recht ein Maschinengewehr!
Katholisch geweiht, der Strick ist bereit
und die Schlinge von Leichen schwer!
Bereits am Nachmittag des 12. Februar 1934 hatte die Regierung das im November eingeführte Standrecht erweitert: Auf Aufruhr stand die Todesstrafe. Am 14. Februar wurden die beiden ersten Todesurteile ausgesprochen, und zwar über den schwer verletzten, noch am selben Tag auf der Bahre zum Galgen geschleppten Hietzinger Schutzbündler Karl Münichreiter, und über Georg Weissel, der am 15. Februar hingerichtet wurde.
Georg Weissel, geboren am 28. März 1899 in Wien als Kind einer Arbeiterfamilie, war Ingenieur, der sein Studium an der Technischen Hochschule absolviert hatte. Vor dem Standgericht bekannte er sich zu seiner sozialistischen Gesinnung, nahm als Kommandant der Floridsdorfer Feuerwehr alle Schuld auf sich und sagte aus, seine Kameraden zum Kampf gezwungen zu haben. Damit rettete er ihr Leben, seines endete am Galgen. Auf dem Weg dorthin sang er die Internationale.
Er hinterließ seine Frau Maria und seinen knapp vier Jahre alten Sohn Erwin.
Dieser Sohn, Erwin Weissel, wurde Professor für Sozial-, Volkswirtschafts- und Finanzpolitik an der Universität Wien und war über 30 Jahre lang in der Kammer für Arbeiter und Angestellte in Wien tätig, u.a. als wissenschaftlicher Leiter der Sozialakademie der Arbeiterkammer Wien in Mödling.
Unter dem Titel "Politische Ökonomie, Macht und Arbeitnehmerinstitutionen im Kapitalismus gab Josef Schmee 2000 zu Erwin Weissels 70. Geburtstag eine Festschrift im Metropolis-Verlag in Marburg heraus. Paul Blaus Beitrag "Erwin Weissel: der unverbesserliche Menschenfreund (S. 27 52) ist ein eindringliches Porträt über den "Sohn eines Helden , das auch die Eltern Georg und Maria Weissel mit einschließt und durch Zitate aus deren Briefen die Unmenschlichkeit und Brutalität der Dollfuß-Ära deutlich macht.
Über diese Unmenschlichkeit und Brutalität hat Fritz Brügel als kompromißloser Gegner des Austrofaschismus nicht nur die "Februarballade, sondern auch weitere politische Lyrik verfaßt, darunter das satirische Gedicht "Ständestaat Österreich in der Exilzeitung "Deutsche Freiheit vom 27. April 1934:
Wir sind der christliche Ständestaat,
Wir haben Kanonen und Kerker parat
Und Galgen, Henker und Strick.
Erst kommt die Beichte und Kommunion,
Dann kommt der rasch gekürzte Lohn,
Denn wir schlugen die rote Revolution
Und besiegten die Republik.
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