Über den Ständegedanken im Nationalsozialismus
aus:
Die Nationalsozialistische Weltanschauung
Ein Wegweiser durch die nationalsozialistische Literatur. 500 markante Zitate. Zusammengestellt und herausgegeben von Univ. Prof. Dr. H. de Vries de Heekelingen, Berlin 1932
Diese Bibliographie inkl. Zitate-Sammlung aus nationalsozialistischen Publikationen wurde von dem Schweizer "Centre International de Documentation Sur Les Organisations Politiques" (CINEF) unter dessen Vorsitzenden Herman de Vries de Heekelingen 1932 erstellt. Es werden die "besten" nationalsozialistischen Werke aufgelistet und zu Stichworten Zitate aus den genannten Werken gebracht. Interessant sind die nationalsozialistischen Zitate zum Stichwort "Ständischer Staat" diese könnten genauso gut aus den Federn der austrofaschistischen Theoretiker stammen. In diesem Sinne verwundert es nicht, dass Othmar Spann in dieser Bibliographie als nationalsozialistischer Autor genannt und zitiert wird und dagegen keine Einwände hatte (er war Mitglied des Herausgeber-Komitees; s.u.).
Das 1927 von dem niederländischen Professor mit Schweizer Pass Herman de
Vries de Heekelingen in Lausanne gegründete und vom faschistischen Italien finanziell unterstützte "Centre" war die erste Propagandaeinrichtung, die sich die Verbreitung des italienischen Faschismus im Ausland zum Ziel setzte. Dieses suchte sie durch die Instrumentalisierung von Mitgliedern aus dem rechtsgerichteten Teil der europäischen Intelligenz bzw. aus den europäischen politischen Eliten als Multiplikatoren faschistischen Gedankengutes zu erreichen. Othmar Spann gehörte als österreichisches Mitglied dem "Komitee" des CINEF an.
Weiterführende Information zu de Heekelingen und dem "CINEF" finden sich ab S. 225 des Textes Beate Scholz,"Italienischer Faschismus als Exportartikel (1927-1935), Trier 2001.
Aus: "Die nationalsozialistische Weltanschauung":
Einleitung
Stichwörter: Ständebildung und Ständischer Staat
S. 1 3 (Hervorhebungen durch www.austrofaschismus.at)
Einleitung
Zwei einander verwandte Bewegungen haben sich das Ziel gestellt, Europa von der Herrschaft des Materialismus zu befreien und aus dem moralischen und politischen Morast herauszuziehen, wohin unsere Gesellschaft durch zersetzende Weltanschauungen und falsche Grundsätze geraten ist.
Sowohl der Faschismus als auch der Nationalsozialismus sind mehr Bewegung als Doktrin, mehr Willen als Wissen, mehr aus einem Guß als differenziert. Beide appellieren an das Beste im Menschen, verlangen Gehorsam und Opfersinn. Beide betrachten den Menschen nicht als Einzelindividuum, sondern als Glied einer Kette, die die Ahnen an die Nachkommen bindet. Beide rufen die Erinnerungen wach an große Traditionen, beide fühlen sich der Zukunft gegenüber verantwortlich! Und dennoch sind beide einander nicht gleich.
Gerade weil beide Bewegungen autochton, bodenständig, aus der völkischen Tradition herausgewachsen sind, gerade weil beide sich aus dem Volke herausgebildet haben, muß die Regeneration eines Mittelmeervolkes ein anderes Gesicht tragen, als diejenige eines Volkes aus germanischen Stamme. Wohl sind sie eins in Wesen und Wollen, aber verschieden in Ausdruck und Form.
Beide Bewegungen sind ungefähr zur gleichen Zeit entstanden. Der Faschismus in Italien als Fasci di Cobattimento, das Nationalsozialismus in Deutschland als "Deutsche Arbeiterpartei". Es ist hier nicht die Stelle die Gründe darzulegen, wieso es kam, daß der Faschismus so schnell zur Macht gelangen und Italien neu ordnen konnte, während der Nationalsozialismus durch schwere Zeiten gehen mußte, bis er sich in dem gewaltigen Tempo der letzten Zeit ausbreiten konnte. Vielleicht waren hierfür nicht nur die Verhältnisse maßgebend, sondern auch die Charakterunterschiede zwischen Süd- und Nordländer. Denn der Italiener gruppierte sich sofort um seinen Führer, als er dessen überragendes Genie erkannt hatte, und ohne viel zu studieren, viel zu fragen, ordnete er sich ihm unter und gehorchte ihm. Der Deutsche dagegen sah sich erst einmal die Sache an, studierte gründlich die nationalsozialistischen Grundsätze und erst als er überzeugt war, daß der Führer recht hatte, folgte er ihm. Von diesem Augenblick an aber war der Deutsche von ebenso großer Begeisterung erfüllt als der Italiener, von ebenso großem Gehorsam und Opfertum durchdrungen. Dort also erst die Begeisterung und dann das völlige Verstehen, hier erst das Verstehen und dann die große Begeisterung. In beiden Bewegungen aber die völlige Gefolgschaft an den Führer, weil man hier und dort, zu der Folgerung gekommen war, daß das Führerprinzip dem parlamentarischen Mehrheitsprinzip entgegengestellt werden soll, wenn man zu einer Regeneration der Volksseele kommen will.
Über den Werdegang des Faschismus haben wir in drei zwischen 1928 und 1930 erschienenen Bänden (...) eine Übersicht gegeben und in einem Zettelkatalog die faschistische Literatur behandelt.
Über die Weltanschauung des Nationalsozialismus bieten wir in diesem Bande eine Dokumentation. Wir bringen einen Überblick über die besten Arbeiten der bis heute erschienenen nationalsozialistischen Literatur und haben zu gleicher Zeit markante Auszüge aus diesen Werken so zusammengestellt, daß es dem Leser ein Leichtes ist, sich über die Stellung des Nationalsozialismus zu den verschiedensten Gebieten ein klares Bild zu machen.
Das Ziel dieses "Wegweisers" ist es also eine vollständige Übersicht über die nationalsozialistische Weltanschauung und über die Ideen, die in dem Kreise der Nationalsozialisten lebendig sind, zu geben. Wir bringen daher nicht Meinungen und Gedanken über den Nationalsozialismus, sondern Meinungen und Gedanken von Nationalsozialisten. Wir bringen keine Werturteile, sondern aus nationalsozialistischen Publikationen zusammengebrachtes Dokumentierungs-Material.
In erster Stelle kam für uns das Hauptwerk des Führers in Betracht, Adolf Hitlers "Mein Kampf", dann seine Reden und die parteiamtlichen Veröffentlichungen. Die Hefte der "Nationalsozialistischen Bibliothek" haben wir mit der Bezeichnung (N. S. Bibl.) vermerkt., die Hefte der "Nationalsozialistischen Agrarfragen" und des "Nationalsozialistischen Lehrerbundes" sind ebenfalls gekennzeichnet worden. Zu diesem Kreis der nationalsozialistischen Veröffentlichungen gehören noch die "Nationalsozialistischen Monatshefte" und die Zeitschrift "Unser Wille und Weg" (...).
Ferner sind die Werke der führenden Nationalsozialisten, wie Feder, Rosenberg (...), Darré, Hierl, Buchner usw. besprochen worden. Werke außerhalb der nationalsozialistischen Bewegung stehender Verfasser wurden nur ganz vereinzelt besprochen und nur dann, wenn die von uns verzeichneten Ausführungen in den nationalsozialistischen Gedankenkreis gehören. So zum Beispiel einige Veröffentlichungen über die ständische Wirtschaft und den ständischen Staat, das bedeutende Werk über das "Organische Weltbild" von Paul Krannhals und Eckart Weinreichs Werk "Die Nation als Lebensgemeinschaft".
Es sei noch darauf hingewiesen, daß die Zitate nur einen besonders inhaltreichen Satz des Verfassers wiedergeben. Sie wollen nicht eine Zusammenfassung der besprochenen Seiten oder des genannten Werkes sein, stehen also dann und wann nicht in direkter Beziehung zu dem die betreffende Besprechung kennzeichnenden Schlagwort.
Zum Schlusse möchte ich auch noch bemerken, daß wir in den Schlagworten und in unseren Besprechungen der nationalsozialistischen Ausdrucksweise gefolgt sind. Worte, wie Sozialismus, Aufnordung, Volkswirtschaft usw. sollen im nationalsozialistischen Sinne erfaßt werden.
Yvorne (Schweiz), 15. Juli 1932
S. 137 141:
Ständebildung
595. Othmar Spann. Der wahre Staat, S. 198306
Entwurf einer ständischen Gesellschaftsordnung.
"Ehre [ist] ein Hauptbegriff der Personen aller Stände- und Lehenszeit. Jede individualistische Ordnung dagegen steuert auf nackte Eigensucht hin und zuletzt auf Ehrlosigkeit".
"Der Gegensatz von Kapital und Arbeit ist überall dort, wo ständische Gliederungen der angegeben Art sich bilden, von Anbeginn seiner Schärfe beraubt und gebrochen, weil der Arbeiter nun nicht mehr getrennt und sich selbst überlassen dasteht, sondern in ein Ganzes eingegliedert ist".
596. Max Frauendorfer. Der ständische Gedanke im Nationalsozialismus, S. 2227 (N. S. Bibl.).
Die Bedeutung des Wortes "Stand". Die Aufgaben, die die ständische Gliederung im Volksleben zu erfüllen hat.
"Geistige Gemeinsamkeit und Bestehen als abgeschlossener Teil eines Ganzen ist... das Wesen des Standes zu allen Zeiten".
"... zwei Grundformen ständischer Betätigung sind das Wesen jeder ständischen Organisation und müssen daher auf jeder Stufe des Aufbaus zum Ausdruck kommen: Ausgleich im Innern, Vertretung nach außen. Nur ein System, das diese beiden Aufgaben erfüllt, ds sowohl den Gliedern und Stufen des Standes selbst die Möglichkeit ihrer Entwicklung und Vertretung in diesem gewährt, als auch die Interessen des Standes als solchem zu wahren geeignet ist, kann als ständisch und damit erst organisch bezeichnet werden".
597. Ernst Krieck. Nationalpolitische Erziehung, S. 6679
Im völkischen Staate ist der Beruf ein aktiver Faktor der sozialen Organisation. Die Berufsverbände werden durch ihre Erziehungsorganisationen Stätten der Pflege und Auslese der Rasse sein.
"Beruf [ist] die Art, wie die Familie dem völkischen Lebensraum eingegliedert ist, wie sie am öffentlichen Leben des Volkes Anteil hat, empfangend und gebend. Durch den Beruf leistet das Volksglied seinen Beitrag zum Leben und Werden des Ganzen: mit ihm tritt der Charakter der Gliedschaft besonders deutlich hervor".
598. R. Walther Darré. Neuadel aus Blut und Boden, S. 5460, 86126, 149174, 200227
Vorschlag zur Schaffung eines neuen deutschen Adels und einer neuen Adelsbezeichnung (Der Hegehof-Vorschlag).
"Für germanisch-deutsche Gesittung kann es nichts Gefährlicheres geben, als wenn man die Überzeugung von der Stetigkeit des Grundbesitzes untergräbt".
Ständischer Staat
599. Gottfried Feder. Das Programm der N.S.D.A.P., S. 22.
Programm der N.S.D.A.P., Punkt 25 (Ständekammern)
600. Adolf Hitler. Mein Kampf, S. 670683.
Wesen, Zweck und Notwendigkeit der Gewerkschaften. Nationalsozialistische Gesichtspunkte.
"Die Gewerkschaften sind vor allem notwendig als Bausteine des künftigen Wirtschaftsparlaments beziehungsweise der Ständekammern".
601. Max Frauendorfer. Der ständische Gedanke im Nationalsozialismus, S. 3236 (N. S. Bibl.).
Die ständische Zusammensetzung des deutschen Volkes. Die bestehenden wirtschaftlichen Organisationen der Erwerbstätigen.
"Im Jahre 1925 zählte die Landbevölkerung nur noch 22 Millionen, während die Stadtbevölkerung auf über 40 Millionen Menschen angewachsen war. Die zahl der Großstädte mit über 100.000 Einwohnern ist bereits auf 50 gestiegen, so daß heute schon jeder vierte Reichsangehörige ein Großstädter ist, gegenüber jedem zwanzigstem im Jahre 1871".
602. Max Frauendorfer. Der ständische Gedanke im Nationalsozialismus, S. 4145 (N. S. Bibl.).
Wesen und Wirksamkeit der ständischen Organisation.
".... ständische Organisationen sind keine Klassenkampforganisationen. Im Gegenteil, es ist gerade das Wesen des ständischen Aufbaus, daß er Führungsmöglichkeit schaffen will für den Staat auf allen Gebieten, daß er wrtschaftlichen Ausgleich ermöglichen und Fortschritt in technischer und kultureller Art den Ständen bringen soll".
"Der ständische Gedanke soll den demokratischen Überwinden. Bewußt soll das Mitreden des Einzelnen auf das Gebiet beschränkt werden, für das er wirklich sachverständig ist".
Alle ständischen verbände und Vertretungen sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und Selbstverwaltungskörper. Sie erledigen als Selbstverwaltungskörper ihre eigenen Angelegenheiten, nach eigenem Gutdünken, als Träger umfangreicher öffentlicher Tätigkeit, insbesondere im Rahmen des übertragenen Wirkungskreises, sind sie Körperschaften des öffentlichen Rechts".
603. Max Frauendorfer. Der ständische Gedanke im Nationalsozialismus, S. 3641 (N. S. Bibl.).
Grundzüge des ständischen Aufbaues des deutschen Volkes und des korrespondierenden Aufbaues des Staates.
"Der ständische Aufbau des deutschen Volkes verfolgt nicht nur den Zweck, innerhalb der einzelnen Stände und deren Untergliederungen, der Bünde, durch Organisation in Verbände, die Erfassung der verschiedenen Erwerbsformen eines Bundes durchzuführen und ihnen im Bunde die Möglichkeit gemeinsamer Führung und Arbeit zu schaffen, die nicht weniger wichtige Aufgabe besteht darin, dieselbe Führung und Zusammenarbeit, dieselbe Ausgleichung zwischen den verschiedenen Bünden und letzten Endes zwischen den verschiedenen Ständen zu ermöglichen".bbb
604. Reinald Dassel. Gegen Parteienstaat für Ständestaat, S. 2440.
Wesen des ständischen Staates. Vergleich zwischen ständischem Staat und parlamentarischer Demokratie.
"Der Beruf ist ein Amt im Dienste der Gesamtheit".
"Führung durch den Sachkundigen: das ist das erste Gesetz des ständischen Staates. Organische Ungleichheit der Gruppen, das ist das zweite Gesetz des ständischen Staates".
605. Walter Heinrich. Staat und Wirtschaft, S. 2547.
Grundsätze des ständischen Staates und Vorteile der ständischen Wirtschaft.
606. Paul Krannhals. Das organische Weltbild, Band I, S. 151180.
Die organische gestaltung der Reichsgewalt. Neben der politischen Kammer soll es noch eine berufsständische Kammer geben.
607. Max Frauendorfer. Der ständische Gedanke im Nationalsozialismus, S. 1922 (N. S. Bibl.).
Der ständische Aufbau des Staates wird eine reinliche Scheidung zwischen Politik und Wirtschaft herbeiführen und die nivellierende Wirkung der Demokratie durch Anerkennung wertmäßiger Unterschiede ersetzen.
"Es wird die Aufgabe des neuen Staates sein, das Verhältnis von Politik, bezw. Staat und Wirtschaft von Grund auf zu ändern, d.h. statt der heutigen Verquickung dieser Begriffe in Theorie und Praxis eine reinliche Scheidung eintreten zu lassen und damit gleichzeitig die Voraussetzungen zu schaffen zu wirklicher Zusammenarbeit nach höheren Gesichtspunkten, an Stelle des heutigen gegenseitigen Dreinredens mit störender Wirkung auf beiden Seiten".
"Der Nationalsozialismus [fordert] die Trennung von politischer und wirtschaftlicher Volksvertretung. Er will die organische Eingliederung des Einzelnen in seinen Stand und des Standes in den Staat".
608. Max Frauendorfer. Der ständische Gedanke im Nationalsozialismus, S. 2832 (N. S. Bibl.).
Die Aufgaben, die die Stände in einem ständisch organisierten Staate zu erfüllen haben.
"Das Wesen ständischer Organisation ist Selbstverwaltung, ja geradezu die Tendenz zur Selbstgenügsamkeit. Deshalb wird die Fragestellung niemals zu lauten haben, was muß ich den Ständen übertragen, damit sie gerade noch als Stände gelten können, sondern immer nur, was kann ich ihnen noch überlassen, ohne sie mit Dingen, die ihnen fremd sind, zu belasten oder dem Staate zu nehmen was des Staates ist".
"Ihren sinnfälligsten Ausdruck wird die ständische Verfassung des Volkes finden in den wirtschaftlichen Vertretungskörpern. Diesen Körperschaften wird die Erfüllung der ... Aufgabe obliegen: Öffentlich die Stellungnahme des Standes zum Ausdruck zu bringen und an der Gesetzgebungsarbeit des Staates, soweit sie wirtschaftlich ist, mitzuwirken".
"Der nationalsozialistische Staat [ist] kein "Ständestaat". Denn die Stände bilden nicht zusammen den Staat, sie sind nur die Organisationsform der wirtschaftlichen Seite im Leben jedes Einzelnen. Das Volk also wird ständisch gegliedert sein und zwar wirtschaftlich, berufsständisch. So wenig diese ständische Gliederung aber einen ständischen Staat bedeutet, sowenig bedeutet sie demnach nur eine ständisch gegliederte Wirtschaft..."