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"...im Gegensatz zum Nationalsozialismus ist der Austrofaschismus in
Österreich nie 'bewältigt', in irgendeiner Form 'exorziert' worden - er gilt
nicht als kriminell, sondern als patriotisch, nicht als aggressiv, sondern als
widerständig, nicht als Täter-, sondern als Opferideologie. Der
Austrofaschismus ist die heimliche, nein, die unheimliche österreichische
Staatsideologie. Das Sammelbecken dieser Ehemaligen, die
Nachfolgepartei dieser Spielart des Faschismus, ist die Österreichische
Volkspartei. Und diese Partei hat seit der Wiedergründung der Republik
nach 45 durchgehend regiert, in Koalitionen, allein oder im Hintergrund,
durch das Nebenregierungssystem der 'Sozialpartnerschaft', die ebenfalls
ein Erbe des Austrofaschismus ist." (Peter Menasse, "Österreich: Wende
und Ende", in: Die Presse, 26. Februar 2005)
Verschiedenste parteipolitische Aktionen nehmen bis heute auf diesen
Zustand Bezug: Während ÖVP-Organisationen (etwa die ÖVP-Wien oder
die Junge Volkspartei) Kränze am Grab Dollfuß' niederlegen oder im
Parlament revisionistische Literatur präsentieren, erinnern Sozialistische
Widerstandskämpfer, die Sozialistische Jugend und andere SPÖ-
Organisationen an die Vernichtung der Demokratie durch Dollfuß.
Unabhängig von diesen parteinahen Aktivitäten befassen sich
AktionskünstlerInnen, AutorInnen und viele andere mehr kreativ mit dem
Austrofaschismus, insbesondere – da über die Ereignisgeschichte
weithegend Einigkeit besteht – mit seiner Ideengeschichte, seiner
Einordnung in die verschiedenen Faschismen der Zwischenkriegszeit und
seiner Relativierung nach 1945.