Wir werden ganze Arbeit leisten. Der austrofaschistische Staatsstreich 1934. Austrofaschismus

Der Bezug zur Gegenwart:

  • Ein wirtschaftspolitischer >>Vergleich der 1930er Jahre
    mit 2000 – 2004 von:
    www.politikberatung.or.at

    p.s.:
    1934 läßt grüßen: Ende 2004 erschwerte die Bundesregierung den Kirchenaustritt durch Einführung einer Austrittsgebühr von knapp
    20 € – der Kircheneintritt erfolgt bekanntlich unfreiwillig und kostet der Kirche nichts; der Austritt war bislang logischerweise kostenlos!


Neu im August 2005:

  • Der Kniefall des Nationalsozialismus vor dem Ständestaat, den "Ständestaatler" bis heute gar als Triumph ihrer Idee auffassen.
    Diese Texte beweisen die "organische" (sic!) Verwandtschaft des Faschismus mit dem Nationalsozialismus, also auch die Axe Dollfuß-Mussolini-Hitler; d.h. den "Spieß zwischen Berlin und Rom an dem Wien braungeröstet werden sollte" (zeitgenössischer Witz um 1934).

"Wir werden morgen an die Arbeit gehen, und wir
werden ganze Arbeit leisten für unser Vaterland,
das nur uns Österreichern alleine gehört und
das wir uns von niemand nehmen lassen."


(Vizekanzler und Heimwehrführer Emil Fey zu kampfbereiten
Heimwehrverbänden am Vorabend des 12. Februar 1934)



Im Sommer 2004 veröffentlichte ein AutorInnenkollektiv eine Sammlung neuer Texte zum austrofaschistischen Staatsstreich, der 1933 mit der gewaltsamen Auflösung des Parlamentes begann und im Februar 1934 blutig beendet wurde.

Diese Website ging nach Erscheinen des Buches im August 2004 online und soll laufend neue Ressourcen zum Thema "Austrofaschismus" im Netz anbieten (so gesehen befindet sich diese Website dauernd im Aufbau). Unter anderem finden Sie hier Leseproben aus dem Buch "Wir werden ganze Arbeit leisten...", Diskussionsforen, weiterführende Links und Fotodokumentationen.

Beweggrund der AutorInnen ihre Texte im Sommer 2004 vorzulegen war die schleichende Relativierung des Austrofaschismus durch die derzeitige christlichkonservativ dominierte Bundesregierung. Direkter Anlass war der 70. Jahrestag der Februarereignisse von 1934. Ohne Rücksichtnahme auf parteipolitisch geprägte Historisierungsversuche, versuchen die AutorInnen eine Annäherung an die Jahre von 1934 bis 1938. "Annäherung" deswegen, da zum Austrofaschismus – im Gegensatz zu anderen Epochen der österreichischen Geschichte – vergleichsweise wenige wissenschaftliche Arbeiten, geschweige denn eine allgemein gültige Gesamtdarstellung, vorliegen.

Nach Ansicht der AutorInnen ist die Wahrheit keine “Tochter der Zeit”, wie sich der Nationalratspräsident aus den Reihen der größeren der beiden Regierungsparteien, Andreas Khol, seit Antritt der konservativen Regierung im Frühjahr 2000 gerne ausdrückt. In diesem Sinne sollen die vorliegenden Beiträge ein Schlaglicht auf spärlich bedeckte politische Abgründe werfen, die als Erbe des Austrofaschismus bis heute überdauert haben, und sich schon bald wieder öffnen könnten, wenn nicht wir – wir alle als demokratisches Ganzes – Acht geben. Deshalb sind die Texte bewusst bislang weniger beachteten Aspekten des austrofaschistischen Regimes gewidmet und versuchen den Bezug zur Gegenwart herzustellen.

Die Autorinnen und Autoren, JuristInnen, HistorikerInnen, WirtschaftswissenschaftlerInnen, KünstlerInnen usw., die in diesem Buch zu Wort kommen, sind Fachleute, die “wissen, wovon sie sprechen”. Bewusst wurde auf Beiträge von PolitikerInnen bzw. HistorikerInnen, die sich im Rahmen parteipolitischer "Akademien" positionieren, verzichtet. Alle AutorInnen engagieren sich aktiv in verschiedenen Organisationen der “Gegenkultur”, die erfreulicherweise auch in Österreich immer stärker wird.


Die Beiträge (Leseproben):

Bernhard Amann und Martin Wassermair ("Der Blick in den Spiegel des Februar '34. Kulturpolitische Schlussfolgerungen für die politische Kultur von heute") zeichnen für das Vorwort verantwortlich.

Edith Gagern ("Peter Strauß. Das erste Opfer der Standgerichte") befasst sich als Rechtsanwältin in ihrem Beitrag mit reaktionärer Strafjustiz ("Abschreckung") in Verbindung mit Klassenjustiz und deren publizistischer Verleugnung, Verharmlosung und Behübschung.

Wolfgang Huber ("Die Gegenreformation 1933/34") ist Freidenker und Mitglied des Vorstandes der “International Humanist and Ethical Youth Organisation”. Sein Thema ist die im wahrsten Sinn des Wortes schwarze Epoche der “Gegenreformation” Kardinal Innitzers, die von 1933 bis 1938 tobte.

Stephan Neuhäuser ("'Wer, wenn nicht wir?' 1934 begann der Aufstieg des CV") beschäftigt sich als Historiker und Politikwissenschafter mit der Organisation, die die intellektuelle Trägerfunktion innerhalb des Austrofaschismus wahrnahm, nämlich mit dem Cartellverband (CV).

Inanc Atilgan ("Gedanken eines Austro-Türken zum Allgemeinen Katholikentag 1933 und zu den Februarereignissen 1934") ist Österreicher türkischer Herkunft, Historiker und Mitbegründer des Österreichisch-Türkischen Wissenschaftsforums. In seinen ersten Jahren in Österreich machte er intensive Erfahrungen mit katholisch-konservativen ÖsterreicherInnen. Dies reflektiert er in seinem Beitrag, der den Laizismus mit dem “Gott in der Verfassung” konfrontiert.

Die Juristin Neda Bei ("Die Bundesregierung verordnet sich") beschäftigt sich mit dem Gottesbezug der “Non-Verfassung” von 1934 und den Wünschen zeitgenössischer Christlichsozialer, schon wieder einen “Gott” in den Verfassungstext hineinzuschreiben.

Madeleine Wolensky ("Februarballade" – Fritz Brügel, der Bürgerkrieg 1934 und die Bibliothek der Arbeiterkammer Wien"), Bibliothekarin an der Sozialwissenschaftlichen Bibliothek der Arbeiterkammer Wien, befasst sich mit Fritz Brügel, der von 1921 bis 1934 die AK-Bibliothek in Wien aufbaute und Verfasser der "Februarballade" ist.

Gerhard Senft ("Wirtschaftspolitische Leitlinien in der Ära des Austrofaschismus") widmet sich als Wirtschaftshistoriker an der Wiener Wirtschaftsuniversität der widersprüchlichen Wirtschaftspolitik des Austrofaschismus.

Der Linguist Mario Palaschke ("Patrioten und Demokraten. Gedanken zur Beschreibung des Jahres 1934 in 'Vietnam mon amour' von Ernst Frey") wirft einen Blick auf die Autobiografie Ernst Freys, eines Grenzgängers zwischen Sozialdemokratie, Judentum, Kommunismus, Legitimismus, Vietkong und Fremdenlegion.

Christine Werner ("Jura lebt"), Autorin und Performance Künstlerin, geht auf die quälende Schilderung Jura Soyfers ein, der das ewige Zurückweichen der DemokratInnen bis zur Katastrophe von 1933/34 beschrieb. Soyfers “So starb eine Partei” steht als Warnung im Raum, dass niemals wieder austrofaschistische “Prätorianergarden” gegen vorgeblich “Unösterreichisches” Stimmung machen.

Zusätzlich zu den oben stehenden Beiträgen wurde Anfang 2004 von den beiden Autorinnen Edith Gagern und Christine Werner aus den verschiedenen Texten eine Collage erstellt (nicht Teil der Publikation), die am 29. Februar 2004 von jeweils zwei Schauspielerinnen und zwei Schauspielern des “Ersten Wiener Lesetheaters” vorgetragen wurde.

Besonderer Dank gebührt Wolfgang Purtscheller, der als Lektor zur Verfügung stand.


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